Was passiert, wenn morgen deine Bank-App nicht funktioniert?
Gastbeitrag von Thomas Kuhle
Wie kritisch wird es wirklich für dich, wenn dein elektronisches Finanz-Nervenzentrum nicht will?

Denn eines steht fest: Verdammt viele Menschen fassen mittlerweile auf dem Handy alles Finanzielle zusammen. Steckt das Gerät dann noch in einer Hülle, wo Führerschein, Personalausweis und Krankenkassenkarte Platz finden, sehen viele sogar keinen Grund mehr, eine Brieftasche mitzunehmen.
Nun gilt meist die goldene Regel: Komfort geht sehr oft zulasten von Sicherheit und Resilienz.
Wenn deshalb dein Smartphone kaputtgeht, gestohlen wird, die Finanz-Apps streiken, der Mobilfunk tot ist oder Payment nicht will, wird es wirklich interessant. Denn dann zeigt sich, ob dein Banking nur komfortabel oder auch ausfallsicher organisiert ist. Ein kleiner Notfallplan kostet kaum Aufwand. Im Ernstfall kann er dir dafür eine Menge Nerven sparen.
Zunächst mal: Nicht jede Störung ist gleich ein Bankproblem
Wenn die App nicht das macht, was du willst, ist das zwar immer ärgerlich – allerdings muss dahinter keineswegs ein großer IT-Ausfall stecken. Vielleicht hängt nur die Anwendung oder das Smartphone hat keine Datenverbindung. Bevor du hektisch Passwörter zurücksetzt oder Zugänge sperrst, solltest du erst mal nüchtern checken:
- Funktioniert deine Internetverbindung grundsätzlich?
- Lässt sich das Online-Banking deiner Bank im Browser erreichen?
- Meldet die Bank selbst eine technische Störung?
- Funktioniert die App auf demselben Gerät nach einem Neustart wieder?
- Ist nur die App betroffen oder sind auch weitere gestört?
Gerade der Browserzugang kann Gold wert sein. Denn erstens können die Systeme, die hinter der App stehen, ausfallen, ohne dass man es auf der Website bemerkt. Und zweitens sorgst du auf die Tour automatisch für eine Fallback-Ebene – solange du deine Zugangsdaten nicht nur in der App hinterlegt hast und sie deshalb nicht auswendig kennst.
Wenn Banking-App und Handy-Payment gleichzeitig ausfallen
Die Abhängigkeit vom Smartphone geht inzwischen wirklich weit bei vielen. Wie schon beschrieben: Vielleicht gehörst ja auch du zu denjenigen, die ihre physischen Karten nur noch selten dabeihaben. Das Problem an der Sache: Fällt das Gerät aus oder funktioniert das hinterlegte Zahlungsmittel vorübergehend nicht, betrifft das nicht nur den Zugriff aufs Konto, sondern auch das Bezahlen im Alltag. Auch dabei können unterschiedliche Ursachen dahinterstecken. Das Smartphone selbst kann defekt sein, die digitale Karte lässt sich nicht nutzen oder ein Problem betrifft den Dienst beziehungsweise die hinterlegte Karte.
Mein Tipp lautet daher: Wenn du ohnehin eine physische Debit- oder Kreditkarte besitzt, lass sie nicht nur deshalb zuhause, nur weil du im Normalfall mit dem Smartphone bezahlst. Aber geh dabei clever vor:

Wenn es dir um ein wirklich funktionales Backup geht, ist letzteres die definitiv bessere Wahl. Zumal du dann die beiden zentralen Fragen dieses Notfallplans perfekt beantworten kannst: Wie komme ich an mein Konto – und womit kann ich bezahlen, wenn mein bevorzugter Weg gerade ausfällt?
Auch ein einziges Konto kann zum Flaschenhals werden
Noch einen Schritt weiter geht die Frage, ob dein kompletter Zahlungsverkehr an einer einzigen Bank hängt. Das muss nicht automatisch schlecht sein. Wer mit seinem Konto zufrieden ist und genügend alternative Zahlungsmöglichkeiten besitzt, braucht nicht aus Prinzip mehrere Bankverbindungen.
Hier kommt nun das Aber: Trotzdem kann ein Zweitkonto sinnvoll sein, wenn du damit echte Redundanz schaffst. Dafür sollte es bei einem anderen Institut liegen und idealerweise eine eigene Karte mitbringen. Bei der Auswahl zählt allerdings nicht nur der Notfall. Gebühren, Bargeldversorgung, Kartenmodell und digitale Funktionen sollten auch zu deinem normalen Alltag passen. Wenn du ohnehin über eine neue oder zusätzliche Bankverbindung nachdenkst, solltest du deshalb zuerst das passende Girokonto für den eigenen Bedarf auswählen – also nicht bei einer x-beliebigen Bank vorstellig werden.
Ein Reservekonto muss dabei auch kein Schattenkonto sein, das jahrelang unberührt herumliegt. Du kannst es beispielsweise für einen Teil deiner Rücklagen oder bestimmte regelmäßige Ausgaben nutzen. Etwa so:

Einrichten lässt sich das, indem du einfach vom normalen Konto einen Dauerauftrag aufs Reservekonto einrichtest. Im Gegensatz zum ruhenden Schattenkonto bemerkst du auf die Weise außerdem, wenn sich Konditionen ändern oder eine Karte längst abgelaufen ist.
Vergiss Bargeld nicht
Der technisch ausgefeilteste Notfallplan übersieht leicht die älteste Lösung: Bargeld. Denn Bares ist pure Unabhängigkeit – und nach dem Abheben am Automat endet jegliche Datenspur, was du mit dem Geld machst. Nein, das bedeutet nicht, du solltest jetzt zuhause größere Beträge bunkern. Es geht einfach darum, genug zu haben, wenn Kartenzahlungen vorübergehend ausfallen, du nicht an dein digitales Banking kommst oder dein Konto samt Karten aus irgendeinem Grund nicht nutzen kannst. Etwa so.

Klingt vielleicht übertrieben, aber auch hier gilt: Reserve bedeutet nur dann Reserve, wenn sie verfügbar ist. Erst zum Geldautomaten zu fahren, sobald eine größere technische Störung bekannt wird, wäre ziemlich genau das Gegenteil einer vorher geplanten Ausweichlösung.
Karte oder Smartphone verloren? Dann gilt eine andere Regel
Anders sieht die Lage aus, wenn dein Banking nicht wegen einer technischen Störung ausfällt, sondern weil Smartphone oder Zahlungskarte verschwunden sind. Dann solltest du nicht erst verschiedene Zugangswege ausprobieren, sondern den betroffenen Zugang beziehungsweise die Karte möglichst schnell sperren. Dafür ist es unabdingbar, wichtige Informationen unabhängig vom Smartphone zu hinterlegen:

Eine kleine Papiernotiz zu Hause oder in einem kleinen Behälter an deinem Schlüsselbund wirkt neben Passwortmanager und Smartphone-App geradezu steinzeitlich. Genau deshalb funktioniert sie aber noch, wenn das Smartphone nicht mehr da ist.
Fragen an dich:
- Wie siehst du das?
- Hat die Digitaltechnik dir schon mal Zahlungsprobleme bereitet?
- Findest du es sinnvoll oder übertrieben, so vorzugehen?
Bildnachweis: KI-generiert

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